Häufig gestellte Fragen - FAQ

- Was bedeutet QuAGiS?
Antwort: Es ist die Abkürzung von Qualität von Arbeit und Gesundheit in der Schule.
 
- Es ist hier sehr viel von Lehrergesundheit die Rede. Wie hängen  Pflichtstundenmodell und Lehrergesundheit zusammen? Andersrum: Wenn man ein neues Arbeitszeitmodell braucht, das der Lehrergesundheit förderlich sein soll, muss man im Umkehrschluss annehmen, das Pflichtstundenmodell mache Lehrer krank. Welche Belege gibt es dafür, dass das so ist?
Die Frühpensionierungsraten und die dabei diagnostizierten Krankheitsbilder (Weber, 2006; Bauer, 2007; Schaarschmidt, 2006, Rothland, 2007) sowie die Tendenzen zur Stundenreduktion kann man beim Vergleich mit anderen Berufen (Justizvollzugsbeamten…) schwerlich ohne Bezug auf arbeitsbedingte Belastungsfaktoren erklären.
Der Beruf ist durch hohe Anforderungen und geringe Beeinflussbarkeit der Ergebnisse gekennzeichnet. Tischler können Bretter glatt hobeln, Lehrer können Schüler nicht „lernen-machen“.  Zu den belastenden Faktoren zählen aus arbeitspsychologischer Sicht sowie aus sich der Betroffenen: die Klassenfrequenzen, die fehlenden Pausen bei laufendem Un-terrichtsanforderungen, die hohe emotionale und rationale Kontrolle, die verlangt wird, die Problemvielfalt, die zu bewältigen ist, für die aber Lehrkräfte teilweise nicht ausgebildet wurden, die laufenden Zusatzaufgaben bei geringer Würdigung, der eingeschränkte Erholungswert der Nachmittagspausen im Bewusstsein, dass abends noch Vor- und Nachbereitungsarbeit wartet. Außer an den Klassenstärken könnte unser Modell an vielen Stellgrößen Erleichterung bringen. Aber zur Erinnerung: Gesundheit wird hier nicht nur als Menschenrecht gefordert sondern als Leistungsvoraussetzung für qualitätvolle Lehrerarbeit! Wir brauchen gesunde Lehrkräfte mit Strahlkraft!
 
- Warum geht das Arbeitszeitmodell nicht explizit auf die unterschiedlichen Tätigkeiten von Lehrerinnen und Lehrern in unterschiedlichen Schulstufen ein? Ein Sek.II-Lehrer mit zwei Korrekturfächern hat wesentlich mehr und anspruchsvollere Klausuren vorzubereiten und zu korrigieren als ein Hauptschul- oder Grundschullehrer. Warum fließt das nicht ein?
Zunächst zur Datenlage:

Schulform   

Minimum

Maximum

Durchschnitt

Standardabweichung

Grundschulen

1.289

2.478

1.750

205

Hauptschulen

1.166

  2.635

  1.791

225

Realschulen  

949

    2.443

1.769

       245

Gymnasien

930

 3.562

1.900

309

Gesamtschulen

 1.207

3.152

  1.976

 295

Förderschulen

 948

 2.612

1.828

242

Berufsbildende Schulen

 606

 3.000

1.839

283

Abbildung 1: Ermittelte Jahresarbeitszeit in Std. pro Vollzeitlehrkraft nach Schulformen, Quelle: Mummert Consulting, Erhebungen in NRW  2005
Nach der Studie von Mummert und Partner schwankt zum Beispiel die Jahresarbeitszeit von Gymnasiallehrern am stärksten unter allen Schulformen (Standardabweichung  plus – minus 309 Stunden).
Substanzielle Unterschiede im Vor- und Nachbereitungsaufwand fanden sich in unserer Studie (Auswertung der Lehrereinschätzungen und der Experteneinschätzungen) nur in der 12. und 13. Klasse. Dagegen ist der Aufwand von Grund- und Hauptschullehrkräften zu rechnen, die die größten didaktischen Differenzierungsmöglichkeiten sicherstellen müs-sen und einen besonderen Erziehungs- und Beratungsaufwand zu leisten haben. Diese differenziellen Anforderungen  werden wir eher mit einem Präsenzzeitmodell in den Griff bekommen, als dadurch, für jede erdenkliche Kombination von Fach, Klassenstufe und Schulform gewichtete Faktoren vorzugeben.
Unser Modell sieht hier einen unterrichtsfreien Puffertag pro Unterrichtswoche vor, an dem die Lehrkräfte möglichst ohne Unterbrechung solche Aufgaben erledigen können.
Die Deutsch- und Englischlehrerin aus der Sek II wird den Großteil dieser Zeit damit verbringen, ihre Korrekturen anzufertigen. Ein Lehrer, der in diesem Jahr besonders viel Sportunterricht gibt, wird sich wahrscheinlich über die Ruhe freuen und geht in dieser Zeit nach Absprache mit Kollegium und Schulleitung anderen schulbezogenen Tätigkeiten nach oder unterstützt die korrigierende Lehrerin.
 
- Worin unterscheiden sich das Modell der Wissenschaftler Schaarschmidt/Sieland und die Vorstellungen des VBE NRW?
Das Modell der Wissenschaftler ist ein idealtypisches Modell. Es setzt eine Ganztagsschule für Lehrer und Schüler voraus. Der VBE möchte im Rahmen von festgelegten Eckpunkten Schulen, die sich an möglichen Modellversuchen beteiligen wollen, größere Gestaltungsspielräume für schulformspezifische Aspekte und die Gestaltung der Präsenzzeiten eröffnen. Der VBE möchte zudem Modellformen mit Schulen entwickeln, die keinen Ganztagsbetrieb haben. Ihm ist wichtig, dass in einer Pilotphase verschiedene Arbeitszeitmodelle erprobt, wissenschaftlich begleitet und auf ihre Wirkung in Bezug auf die Lehrergesundheit und Verbesserung der Qualität der pädagogischen Arbeit evaluiert werden.  
 
- Was ist dagegen zu sagen, dass das Mindener Modell die unterschiedlichen Fächer mit verschiedenem Zeitaufwand berechnet? Ein Sportlehrer hat nun mal nicht die Vor- und Nachbereitung, die ein Deutschlehrer hat. Warum fließt das nirgendwo ein?
Das Mindener Modell verwaltet die verfügbare Zeit unter der vorgegebenen Pflichtstundenzahl mit allen laufend erhöhten Zusatzaufgaben unter „Gerechtigkeitsgesichtspunkten“. Unser Modell gestaltet die Anforderungen unter den Kriterien der Gesundheits- und Leistungsqualität.  Bei neuen Aufgaben, die im Qualitätsraster der Landesregierung längst vorhanden sind, muss die Arbeit nach der Logik des Mindener Modells wieder neu faktorisiert und verteilt werden.  Die Frage, ob die  Aufgabenmenge und der verfügbare Zeitrahmen eine qualitätsgerechte Vor- und Nachbereitung und gleichzeitig eine gesundheitsgerechte Belastung von Lehrkräften  sicherstellt, wird in der Logik des Mindener Modells ausgeklammert. Typisch dafür sind die dem Modell zugrunde liegenden Mittelwertsberechnungen für den Zeitbedarf. Man hat die  Vor- und Nachbereitungszeit von Schulleitern und anderen Funktionsträgern für ihren Unterricht und die von Lehrkräften ohne Zusatzfunktionen gemittelt und den so erhaltenen Ist-Wert als Sollwert deklariert. Das wirkt pseudo-genau. Aber: Wer mehr Aufgaben zu erledigen hat, kann sich für die einzelnen Aufgaben nun mal  nur weniger Zeit nehmen. Umgekehrt wissen wir, dass Teilzeitlehrkräfte in aller Regel mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung nutzen.
Der Belastungsausgleich wird bei unserem Modell durch den unterrichtsfreien Puffertag erreicht und zwar so, dass eine ungleiche Arbeitsbelastung vermieden wird - vorausgesetzt die Schule nimmt ihre Eigenverantwortlichkeit wahr und koordiniert die außerunterrichtlichen Aufgaben entsprechend.  Man kann ja auch umgekehrt argumentieren, dass die Lärmexposition in den Sporthallten je nach den Bedingungen vor Ort eine größere Erholungszeit nach sich ziehen muss.
Kurz: Erstens fließt die unterschiedliche Anforderung,  wie eben schon betont, durch den von den jeweiligen Lehrern flexibel zu gestaltenden Puffertag mit ein. Zweitens zeigen unsere Ergebnisse, dass sowohl Lehrer als auch Experten das Mindener Modell in Bezug auf die Kooperation der Lehrkräfte untereinander  deutlich abwerten.
 
- Schule ist für Kinder da, Lehrer sind auch Dienstleister. Was würde sich mit dem neuen Arbeitszeitmodell für die Schüler verbessern? Was würde es darüber hinaus den Eltern bringen?
Lehrkräfte brauchen Strahlkraft. Erholte und besser vorbereitete Lehrkräfte haben einen größeren Motivierungseffekt. Unser neues Arbeitszeitmodell bündelt die Gesprächsangebote für Schüler und Eltern und verbessert die Leistungsvoraussetzungen für komplexe außer unterrichtliche Tätigkeiten durch mehr Diskussionsgelegenheiten.
Kurz: Lehrer sind in den Präsenzphasen da und für Kollegen, Schüler und Eltern potentiell ansprechbar.
 
- Gibt es Untersuchungen zum Zeitmanagement von Lehrern? Hängt die von ihnen ständig beklagte Überlastung vielleicht auch damit zusammen, dass sie mit ihre Freiheit, den Arbeitstag über weite Strecken selbst gestalten zu können, schlecht umgehen?
Es gibt Untersuchungen dazu z.B. in der Schweiz. Natürlich ist eine Vermischung von beruflichen und privaten Aufgaben  gerade am häuslichen Arbeitsplatz eine besondere Herausforderung,  der nicht alle Lehrkräfte gewachsen sind. 
Wir haben in unseren Untersuchungen unter anderem auch danach gefragt, wann Lehrkräfte arbeiten und fanden einen erschreckend hohen Anteil an „Spätarbeitern“. Aus der Stressforschung weiß man, dass eine gute Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit förderlich für die Gesundheit ist. Das würden wir mit dem Präsenzzeitmodell sehr viel stärker fördern als mit der vorherrschenden Praxis, in der die vermeintliche Erholungspause am Nachmittag häufig durch den Gedanken an die nach dem Abendessen noch zu erledigende Arbeit belastet wird.
Schließlich muss mit Blick auf die Besonderheiten der Lehrerarbeit folgendes bedacht werden. Lehrerarbeit lässt sich nicht durch die Arbeitsdauer in Stunden sondern erst durch die Qualität der Ergebnisse bewerten. Unsere Regelung soll also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Klare auch örtliche Trennung zwischen Berufs- und Privatleben bei gleichzeitiges Ausweitung der Zeit für das kollegiale Gespräch und der Zeit für einen Wechsel verschiedener Tätigkeiten und Erholungsphasen pro Unterrichtstag und Unterrichtswoche. Die Präsenzzeit hat sich in Schweden bewährt.

- Das Arbeitszeitmodell geht weitgehend vom „Ist-Zustand“ in der Schule aus. Liefert die Untersuchung Hinweise für optimales Lernen und Arbeiten von Schülern und Lehrern?
Das ist nur bedingt der Fall und muss erst in den geplanten Pilotstudien geprüft werden. Es gibt starke Gründe für diese Annahme, die man u. a. aus den schwedischen Erfahrungen ableiten kann.
Außerdem können wir festhalten, dass die von uns befragten Lehrer und Experten einhellig davon ausgehen, dass  eine Steigerung der Unterrichtsqualität durch mehr Vor- und Nachbereitungszeit und bessere  Aussprachemöglichkeiten erreicht werden kann.
Insbesondere rechnen die Befragten damit, dass für offene Unterrichtsformen, die die entscheidende Lernarbeitszeit der Schüler deutlich erhöhen, nur durch erhöhte Vor- und Nachbereitungszeit der Lehrkräfte erreichbar sind.
Diese Unterrichtsformen sollten nach übereinstimmenden Wünschen von Lehrern und Experten deutlich häufiger eingesetzt werden als bisher.
 
- Welche Möglichkeiten bieten die Zeitkontingente 19 + 19 + 8 ?
Struktur des Arbeitstages und der Arbeitswoche einer „durchschnittlichen“ Lehrkraft mit 19 Stunden Unterricht, 19 Stunden Vor- und Nachbereitung und 8 Stunden für weitere pädagogische Aufgaben

Montag

7.30 –16.30 Uhr

Dienstag

7.30 –16.30 Uhr

Mittwoch

unterrichtsfreier

Arbeitstag

Donnerstag

7.30 –16.30 Uhr

Freitag

7.30 –15.00 Uhr

vormittags:

2 Std. Unterricht

(evtl. im Block)

1 Std. Vorb./Nachb.

1 Std. Unterricht

1 Std. Vorb./Nachb.

vormittags:

2 Std. Unterricht

(evtl. im Block)

1 Std. Vorb./Nachb.

2 Std. Unterricht

(evtl. im Block)

vormittags:

4 Std. Vorb./Nachb.

(ggf. zu Hause)

 

vormittags:

2 Std. Unterricht

(evtl. im Block)

2 Std. Vorb./Nachb.

1 Std. Unterricht

vormittags:

2 Std. Unterricht

(evtl. im Block)

2 Std. Vorb./Nachb.

1 Std. Unterricht

nachmittags:

2 Std. Unterricht

1 Std. Beraten &

Fördern (z. B. Gespräche

mit Schülern

bzw. Eltern)

nachmittags:

1 Std. Schulprojekt

1 Std. Koop.-gespr.

1 Std. Konferenz

(unterrichtsfreier

Nachmittag für alle)

nachmittags:

1 Std. Verwaltung

3 Std. Beraten &

Fördern (z. B. indiv.

Arbeit mit Schülern)

nachmittags:

2 Std. Unterricht

(evtl. im Block)

1 Std. Vorb./Nachb.

nachmittags:

2 Std. Unterricht

(evtl. im Block)


Beispiel für eine Lehrkraft mit unterdurchschnittlichem Vor- und Nachbereitungsaufwand
• 10 Std. Sport Kl. 5 –8 (35 min V/N)
• 9 Std. Mathematik Kl. 5 –8 (60 min V/N) (davon 1 Std. Vertretung)
d. h. 19 Std. Unterricht
(rund) 15 Std. Vor-/Nachbereitung
12 Std. weitere pädagogische Aufgaben
 
Beispiel für eine Lehrkraft mit überdurchschnittlichem Vor- und Nachbereitungsaufwand
• 10 Std. Deutsch Kl. 11 –13 (85 min V/N)
• 9 Std. Religion Kl. 9 –10 (60 min V/N) (davon 1 Std. Vertretung)
d. h. 19 Std. Unterricht
(rund) 23 Std. Vor-/Nachbereitung
4 Std. weitere pädagogische Aufgaben

 

Aktuelles

Dank

Wir bedanken uns bei all denen, die uns im Rahmen der Umfrage unterstützt haben.

 

Ergebnisse

Die Ergebnisse können Sie in der linken Spalte abrufen und nachlesen.