Das Schaarschmidt-Sieland-Modell

QuAGiS

In Übereinstimmung mit den beiden Leitkriterien Qualität der pädagogischen Arbeit und Gesundheit beinhaltet das neue Modell die folgenden Kernaussagen:

- 19 Pflichtzeitstunden: Es wird vorgeschlagen, die Zahl der zu erteilenden Unterrichtsstunden für alle Schulformen auf 19 festzulegen (davon eine Vertretungsstunde), wobei die Unterrichtsstunde von bisher 45 auf 60 Minuten verlängert wird. Mit dieser Veränderung reduziert sich die insgesamt erbrachte Unterrichtszeit nur geringfügig, der Vor- und Nachbereitungsaufwand aber erheblich.

- Verhältnis 1 : 1 von Unterricht und Vor- und Nachbereitung: Das zeitliche Verhältnis von Unterrichtsstunde zur Vor- und Nachbereitung wird (im Durchschnitt) so angesetzt, dass einer Unterrichtsstunde eine Stunde Vor- und Nachbereitung entspricht (zu notwendigen Differenzierungen s. unterrichtsfreier Tag).

- 8 Wochenstunden (Zeitstunden) für weitere pädagogische Aufgaben: Auch für die über den Unterricht  hinausgehenden pädagogischen Aufgaben wird der Zeitbedarf genauer kalkuliert: Berücksichtigt werden Beraten/Fördern (mit vier Stunden), Verwalten, Teilnahme an Konferenzen, Schulentwicklung sowie Abstimmungs- und
Kooperationsgespräche (mit je einer Stunde). Auch diese Angaben verstehen sich als Durchschnittswerte.

- 46-Stunden-Woche: Aus den bisher genannten Vorschlägen ergibt sich eine durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche von 46 Stunden. Diese Stundenzahl kommt der von Lehrkräften und Experten vorgeschlagenen recht nahe. Sie dürfte eine deutliche Entlastung bedeuten.

- Präsenzzeit: Für die Unterrichtstage gilt eine Ganztagspräsenz in der Schule (Vorschlag: von 7.30 bis 16.30 Uhr, freitags bis 15.00 Uhr). Sie setzt die Schaffung angemessener räumlicher und sonstiger materieller Bedingungen voraus. Die Unterrichtsstunden sind so über den Tag zu verteilen, dass Erholungsphasen und andere Tätigkeitsinhalte zwischengeschaltet werden können.

- Unterrichtsblöcke: Im Rahmen des Präsenztages gibt es günstige Voraussetzungen dafür, auch über die 60-Minuten-Einheit hinaus größere Unterrichtsblöcke zu schaffen, sodass kein so häufiger Wechsel des Faches, der Klasse und des Raumes erforderlich ist.

- Ein unterrichtsfreier Arbeitstag: Jeder Lehrkraft wird ein unterrichtsfreier Arbeitstag eingeräumt. Mit diesem Tag soll vor allem notwendigen Differenzierungen nach Fächern, Schulformen und Klassenstufen entsprochen werden. Demzufolge gelten hier von Lehrkraft zu Lehrkraft unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte. (Z.B. ist er bei den aufwendigsten Fächern in den höheren Klassenstufen weitestgehend für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts vorzusehen, während in den Schulformen und Klassenstufen, in denen die Aufgaben des Beratens und Förderns einen besonderen Stellenwert haben, der Tag verstärkt im Sinne dieser Aufgaben zu nutzen ist.)

- Verkürzung der Sommerferien: Es wird vorgeschlagen, die Sommerferien für die Lehrkräfte um eine knappe Woche (33 (Zeit-)Stunden) zu verkürzen, um auf diesem Wege die Unterrichtswochen weiter zu entlasten.

- Delegierung: Es sind weitere Möglichkeiten der zeitlichen Entlastung durch Delegierung von Aufgaben zu erschließen. Dabei sollte verstärkt auf schulexterne Personen und solche Lehrkräfte zurückgegriffen werden, die aus gesundheitlichen Gründen von Unterrichtsverpflichtungen entbunden werden müssen.


Die aufgeführten Komponenten bilden eine Einheit. Damit das Modell voll wirksam werden kann, halten wir es für erforderlich, alle Inhalte im Zusammenhang zu berücksichtigen. Das schließt nicht aus, dass bei der konkreten Umsetzung auch Gestaltungsspielräume bestehen, die in Eigenverantwortung der jeweiligen Schule genutzt werden können. Alle Vorschläge zum Volumen der Arbeitszeit, zu den Zeitanteilen der einzelnen pädagogischen Aufgaben und zur Verteilung der Zeiten über den Tag, die Woche und das Jahr gelten im Prinzip auch für die Teilzeitkräfte. Dabei ist zu sichern, dass die unter dem Strich herauskommende Wochenarbeitszeit auch in der Tat dem Umfang der festgelegten Teilzeit entspricht (also bei 50 % Teilzeit nicht weniger, aber auch nicht mehr als 23 Wochenstunden, davon 9,5 (Zeit-)Stunden Unterricht).

Prof.(em.) Dr. Uwe Schaarschmidt/Prof. Dr. Bernhard Sieland

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