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23.11.2007
Pressekonferenz des VBE NRW am 23. 11.2007

Statement des VBE-Landesvorsitzenden
Udo Beckmann , Vors. VBE NRW 

QuAGiS

(Es gilt das gesprochene Wort)

Anrede,

die Landeskonferenz des VBE hat am 27. Oktober 2007 die Ihnen gerade vorgetragenen Ergebnisse der Umfrage diskutiert und auf deren Basis Eckpunkte für ein zukunftsfähiges Lehrerarbeitszeitmodell beschlossen, das den Rahmen für Modellversuche bilden soll. Ich möchte auch an dieser Stelle nochmals betonen, dass ein neues Modell zur Lehrerarbeitszeit aus Sicht des VBE zwei wesentliche Aspekte in den Blick nehmen muss:

Es muss zum einen förderlich für die Lehrergesundheit sein und zum anderen der Qualitätsentwicklung der pädagogischen Arbeit dienen. Die Eckpunkte eines Modells, das diese Ansprüche erfüllt, sehen aus Sicht des VBE folgendermaßen aus:

1. Die Jahresarbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer muss der des öffentlichen Dienstes angepasst werden. Das bedeutet, dass sie auf 1804 Zeitstunden reduziert werden muss.


2. Die Untersuchung hat ergeben, dass die durchschnittliche wöchentliche Lehrerarbeitszeit in der Unterrichtszeit 53 Zeitstunden beträgt. Diese muss auf 46 Zeitstunden begrenzt werden. Damit wäre dann die Arbeitszeit des öffentlichen Dienstes für Lehrerinnen und Lehrer erreicht.


3. Das Pflichtstundenmodell regelt bislang, dass Lehrer an unterschiedlichen Schulformen unterschiedlich viele Unterrichtsstunden erteilen müssen. Die Zahl der zu erteilenden Unterrichtsstunden muss unserer Auffassung nach für alle Schulformen auf 19 Zeitstunden festgelegt werden. Eine Stunde davon soll fest als Vertretungsstunde eingeplant werden können. Die Schulen sollen nicht mehr zwangsläufig im 45 Minuten-Takt unterrichten müssen, sondern andere Modelle für die Organisation des Unterrichts wählen können. Beispielsweise kann eine Unterrichtsstunde auch mit einer Zeitstunde identisch sein.

4. Für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts muss pro Unterrichtsstunde eine Zeitstunde angerechnet werden. Für den Unterricht plus Vor- und Nachbereitung sind damit insgesamt 38 Wochenstunden veranschlagt.

5. Lehrerinnen und Lehrer unterrichten nicht nur, sie müssen ihre pädagogische Arbeit auch planen, abstimmen und organisieren. Diese Aufgaben müssen als Arbeitszeit berechnet werden. Für die Arbeiten außerhalb des Unterrichts müssen pro Woche durchschnittlich 8 Stunden veranschlagt werden. 4 Wochenstunden sind für das Beraten und Fördern zu veranschlagen und nochmals 4 Stunden für die Organisation der pädagogischen Arbeit. Zur Organisation gehören Abstimmungs- und Kooperationsgespräche, Konferenzen und Verwaltungstätigkeiten. Für diese zuletzt genannten Tätigkeiten muss ein Nachmittag pro Woche für das ganze Kollegium unterrichtsfrei gehalten werden.

6. Die Allgemeine Dienstordnung (§ 12 Abs. 2 ADO) sieht die Präsenz von Lehrerinnen und Lehrern in der letzten Woche der Sommerferien vor. Um auf die Jahresarbeitszeit des öffentlichen Dienstes zu kommen, fehlen nach der bisherigen Auflistung noch 33 Zeitstunden. Diese 33 Stunden berechnen sich folgendermaßen:
Das Jahr hat  38,5 Unterrichtswochen. Legt man eine Wochenarbeitszeit von 46 Stunden zugrunde, kommt man auf 1771 Stunden Jahresarbeit. Die Jahresarbeitszeit des öffentlichen Dienstes liegt bei 1804 Stunden, es fehlen also 33 Stunden, die in der letzten Woche der Sommerferien erbracht werden sollen.

7. Tätigkeitswechsel im Verlauf eines Arbeitstages sind in jedem Beruf wichtig. Das gilt auch für den Lehrerberuf, in dem man es ja täglich mit vielen Menschen zu tun hat. Um den Schülerinnen und Schülern besser gerecht zu werden und sich auf deren Bedürfnisse optimal konzentrieren zu können, darf Unterricht nicht „am Stück“ stattfinden. Es darf also nicht so sein, dass ein Lehrer fünf oder sechs Stunden hintereinander von Klasse zu Klasse hetzt. Deshalb muss der Unterricht entzerrt werden und ein Wechsel zwischen Unterricht, anderen Tätigkeiten und Regenerationsmöglichen erreicht werden. Das verbessert die Konzentration auf den Unterricht, es dient der Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer und hat auch positive Auswirkungen auf die Arbeit mit den Schülern.

8. Die Arbeitszeit von Lehrerinnen und Lehrern ist bislang so strukturiert, dass sie einen Teil ihrer Arbeit in der Schule und einen anderen Teil zu Hause erledigen. Das führt häufig zu einer Verflechtung von Arbeitszeit und Freizeit. Der oben beschriebene Wechsel zwischen Unterricht und anderen Tätigkeiten bedingt längere Anwesenheitszeiten von Lehrerinnen und Lehrern in der Schule. Das ist jedoch nur möglich, wenn entsprechende räumliche und materielle Bedingungen vorhanden sind.

Landespressekonferenz 23.11.07
(v.l.: Michael Fritsch (LPK), Udo Beckmann (VBE NRW),
Bernhard Sieland (Uni Lüneburg), Uwe Schaarschmidt (Uni Potsdam)

Das sind die Eckpunkte für ein Arbeitszeitmodell, die der VBE befürwortet. Die beiden anwesenden Wissenschaftler sind darüber hinaus der Auffassung, jede Vollzeitlehrkraft müsse über den unterrichtsfreien Nachmittag für das ganze Kollegium hinaus einen unterrichtsfreien Tag pro Woche haben. Dieser Tag sollte nach Schulformen unterschiedlich für Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts zur Verfügung stehen. Wer beispielsweise Fächer hat, in denen viele Klausuren anfallen, sollte diesen Tag für Korrekturen nutzen können. An anderen Schulformen würde er verstärkt für Beratungs- und Förderarbeit genutzt.

Hier sieht der VBE organisatorische Probleme insbesondere an kleinen Schulen. Die Schulen sollen aber dennoch die Möglichkeit bekommen, diesen Vorschlag der Wissenschaftler umzusetzen.

Der VBE möchte erreichen, dass Schulen unterschiedliche Lehrerarbeitszeitmodelle ausprobieren können. Diese müssten dann als Modellversuche angelegt und wissenschaftlich begleitet werden. Um das zu erreichen, werden wir in den kommenden Wochen in intensive Verhandlungen mit der Landesregierung treten.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Lesen Sie auch den VBE Pressedienst 70/07


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