Lehrerarbeitszeitmodelle ...

... empirisch vergleichen statt politisch verordnen

QuAGiS

Das alte Pflichtstunden-Modell war mehr als 100 Jahre die Planungsgrundlage für Lehrkräfte. Angesichts der Langlebigkeit sollte man bei seiner Überwindung auf Schnellschüsse verzichten. Neue Modelle sollten nicht nur kritisch diskutiert, sondern vor der endgültigen Einführung in Pilotstudien vergleichend evaluiert werden. Als fachkundige Beurteiler müssen neben den betroffenen Lehrkräften, Schülern und Eltern auch Wissenschaftler in die Evaluation einbezogen werden.

Derzeit sind verschiedene Lehrerarbeitszeitmodelle in der Diskussion und teilweise in Erprobung, von denen die meisten besser als das Pflichtstunden-Modell sein dürften. Mehrere Modelle basieren auf Arbeitszeitkonten, die die Arbeitsleistung für alle transparent machen sollen und die Gesamtjahresarbeitszeit deckeln, dabei aber im Wesentlichen nur Arbeit und Belastungen umverteilen. Gemeinsam ist diesen Modellen, dass es bis heute an den entscheidenden Effizienzkontrollen und den vergleichenden Studien bezüglich ihrer Wirksamkeit im Hinblick auf die Lehrergesundheit und die Verbesserung der Qualität der pädagogischen Arbeit fehlt. Wir sehen Lehrerarbeitszeit als Gestaltungsaufgabe. Deshalb wollen wir über die definierte Gesamtjahresarbeitszeit hinaus erreichen, dass der Schultag, die Schulwoche und das Schuljahr im Sinne der Arbeits- und Gesundheitsqualität optimiert werden.

Die zugrunde liegende empirische Studie von Prof. Schaarschmidt und Prof. Sieland (2007) erhebt in getrennten Befragungen von Lehrkräften und Experten den bisher investierten Zeitaufwand für die Tätigkeiten (= Ist-Wert) und die unter Qualitäts- und Gesundheitsgesichtspunkten erforderlichen Sollwerte. Daraus werden die neun Gestaltungsmerkmale abgeleitet, die im vorigen Abschnitt beschrieben wurden. Anders als im Mindener Modell wird z. B. der Belastungsausgleich zwischen Schulfächern und Schulformen im Schaarschmidt/Sieland-Modell durch einen unterrichtsfreien Arbeitstag pro Woche geregelt. Darüber hinaus werden pro Schultag und Schulwoche Zeiträume für Erholung und kollegiale Fachdiskussion sowie ausführliche Vor- und Nachbereitung festgeschrieben, um so die häusliche Schularbeit am Abend und am Wochenende deutlich zu reduzieren.

Durch dieses Modell sollen mehr Zielkriterien und Methoden für eine Verbesserung der Arbeits- und Gesundheitsqualität von Lehrkräften zum Tragen kommen. Allerdings: Lehrerarbeitszeitmodelle sind zu wichtig, als dass sie durch die Methode der schlichten Behauptung von ihren Autoren und den jeweiligen Auftraggebern bewertet werden sollten. Welches Modell schließlich dauerhaft einzuführen ist, muss durch eine gründliche Pilotstudie mit vergleichender Evaluation entschieden werden. Die Landesregierung in NRW scheint lt. des Antrags der Landtagsfraktionen von CDU und FDP vom 20.3.2007 dafür offen zu sein.

Aktuelles